Bericht zum Agrartag 2018

5. Agrartag der Raiffeisenbank Bad Kötzting eG in Zusammenarbeit mit dem BBV im voll besetzten Postsaal

Die Landwirtschaft im Spannungsfeld

Die Landwirtschaft steht im Spannungsfeld verschiedener Interessen: Natur- und Tierschutz, Preisdruck der Lebensmittelkonzerne und Anforderungen der Politik.


Voll besetzt war der Saal des Haus des Gastes am 06.02.2018, als Michael Wurm (Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Bad Kötzting eG), den 5. Agrartag eröffnete und in die Themen des Abends einführte.

Er gab einen Überblick über die Rahmenbedingungen, mit denen sich die Landwirtschaft auseinandersetzen muss. Nicht nur die Regulatorik beeinflusst die Landwirte, sondern zunehmend auch die Wünsche der Verbraucher bzw. der Einzelhandelskonzerne. Das Verbot von gentechnisch verändertem Futtermittel oder der Verzicht auf die Anwendung von Glyphosat bei der hiesigen Molkerei seien zwei Beispiele hierfür.  

Der Bayerische Bauernverband, Mitveranstalter des Agrartages, war durch den Bezirkspräsidenten Herrn Josef Wutz vertreten. Herr Wutz lieferte aktuelle Informationen für die Landwirte. Er warnte vor den Folgen der afrikanischen Schweinepest. Sollte sie sich auf Bayern ausweiten, so würde das den gesamten Fleischmarkt bedrohen. Sehr sinnvoll fand er die Hinweisschilder an der Autobahn A3, dass Brotzeiten nicht einfach weggeworfen werden sollen, sondern in Mülltonnen entsorgt werden müssen. "Damit können Wildschweine die möglicherweise infizierten Speisereste nicht fressen", sagte Josef Wutz.

 

"Miteinander" so war der Vortrag von Anneliese Göller überschrieben. Die Landes- und Bezirksbäuerin des Bezirksverbandes Oberfranken ist auf Verbandsebene in verschiedenen Ehrenämter aktiv und bewirtschaftet mit Ihrem Mann einen Hof im Vollerwerb.

Der Bauernverband habe eine hohe Schlagkraft und verfügt über ausgezeichnete Netzwerke. So Anneliese Göller: "Ich wünsche mir aber, dass es uns in dieser Wahlperiode gelingt, dass Netz noch enger zu knüpfen. Es wird nur miteinander gelingen".

Anneliese Göller kritisierte auch die ständig neuen Vorschriften: "So kann kein Unternehmer arbeiten. Wir brauchen die Politik als Partner und nicht als Gegner."

Frau Anneliese Göller sprach auch die weitere EU-Finanzplanung 2021 nach dem Ausscheiden Großbritanniens an: "Durch den Wegfall des Nettozahlers England entsteht eine Haushaltslücke von rund 10 Milliarden Euro pro Jahr." Andererseits hat Deutschland Lebensmittel im Wert von 4,5 Milliarden nach Großbritannien exportiert. Wie sich diese Zahlen am Ende des Brexits entwickeln, könne noch niemand vorhersagen, sagte die Landwirtin.

Nach Ansicht von Anneliese Göller muss das Verbraucherverhalten realistisch eingeschätzt werden: Vieles davon sind nur Lippenbekenntnisse. "Umfrageergebnisse und der tatsächliche Einkauf habe oft nichts miteinander zu tun", sagte Anneliese Göller.

 

Mental- und Persönlichkeitstrainerin Elke Pelz-Thaller zog das Publikum in ihren Bann.

Der deutsche Landwirt genießt das höchste fachliche Ansehen, er liefert ein Produkt von bester Qualität. "Deutschland produziert den Ferrari der Lebensmittel zum Preis eines Fiats - wie kommt´s?"

Nach dem rund zweistündigen Hauptreferat der Mental- und Persönlichkeitstrainerin Elke Pelz-Thaller wussten es zumindest die Teilnehmer des Agrartags: Sie verstanden es,in ihrer direkten und humorvollen Art, die Zuhörer zu fesseln.

"Eine Aktion, gleich welcher Art, erzeugt immer eine Gegenreaktion. Positiv oder negativ." führte die Referentin vor Augen. Die Landwirtschaft müsse die Opferrolle ebenso wie aggressives Auftreten ablegen und stattdessen mit einer positiven Selbstvermarktung wieder die Wertschätzung der Gesellschaft gewinnen. Letztendlich ginge es darum, selbst Verantwortung zu übernehmen und für sich selbst Visionen zu schaffen.

Mit dem Trend zum Aussiedlerhof habe sich das dramatisch geändert, denn damit sei die Landwirtschaft nicht nur aus der Ortsmitte, sondern auch aus der Mitte der Gesellschaft herausgetragen worden und werde heute nur noch als Randbereich wahrgenommen: "Heute wissen die Leute gar nicht mehr, was der Landwirt überhaupt tut."

Zu einer positiven Wahrnehmung in der Öffentlichkeit gehöre es aber auch, den Menschen nicht mehr nur als Verbraucher, sondern als Kunde anzusehen. Wenn man selbst wertgeschätzt werden wolle, müsse man zuerst sein Gegenüber wertschätzen.

Wie viel Kraft eine positive Grundeinstellung einem Menschen verleiht, zeigte sie anschaulich an Vorführungen mit Freiwilligen. Die Widerstandskraft des Arms hing davon ab, wie sehr die Person mit sich im Reinen war. Sie gab den Teilnehmern zum Schluss eine Menge praktischer Tipps für eine positive Lebenseinstellung.


Nach diesem gelungenen Abend lud die Raiffeisenbank Bad Kötzting eG noch zu einem Imbiss im Foyer des Postsaals ein. Die Landwirte nutzten diese Gelegenheit auch, um den Abend noch bei interessanten Gesprächen Revue passieren zu lassen.

 

 

 

Eindrücke vom Agrartag 2018: